Forum | Aufträge & Projektanfragen | Bezahlt: Übers Ohr gehauen & ausbleibende Honorare

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Übers Ohr gehauen & ausbleibende Honorare

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Pauer (toonsUp Team) - 23.06.20 19:15
Da hab ich auch noch was:
Eine Firma verschickte Emails an unseren Univerteiler, sie würden einen Karikaturzeichner suchen. Ich (dummer Student und noch wenig Erfahrung im Abgezocktwerden) meldete mich und dann sagte man mir, ich solle doch bitte ein zwei Proben schicken. Daraufhin machte ich zwei schnelle Kritzeleien von irgendwelchen Portraitfotos, die ich in der Suchmaschine fand.

Schön schön! Dann bat man mich doch eine Probezeichnung "nach diesem Foto zu machen", ein vielleicht 100x150px großes Lebenslauffoto von irgendeinem ihrer Kollegen. Erstmal ziemlich lahm, ein so kleines Foto als Vorlage zu versenden. Aber es gäbe auch eine schöne Bezahlung, wenn es passen würde. Die Venusfalle hat ihren Schlund aufgemacht, süßlich lockender Duft bezirzt den Unwissenden. Ich mache eine Zeichnung von der Brillenschlange mit Halbglatze. Nicht ganz ohne Mühe. Schickte sie ab - zumindest in sehr geringer Auflösung - und habe bis heute nie mehr von denen gehört.

Nichts ohne Vertrag, schriftliche Zusage und Aushandeln der Konditionen machen! Aus Fehlern lernt man.
 
cartoonagen - 23.06.20 18:49
Ich hatte mal einen "Auftrag", eine Titelfigur für ein IT-Projekt zu gestalten. Angesprochen darauf wurde ich in einer Kneipe (ich war beim Zeichnen) von einem Lehrling des Unternehmens.
Als ich 3 Entwürfe vorlegte, erfuhr ich, dass es ein Wettbewerb gäbe, und mehrere Künstler Entwürfe vorgelegt hätten - natürlich kostenlos. Ich unterlag der Annahme, ich wäre bei Gelegenheit gefragt worden, und ich wäre der Einzige...Ich nehme normalerweise keine Aufträge an, und war somit keineswegs bereit, einem mir völlig fremden Unternehmen Stunden meiner Zeit zu schenken...
Auf die Frage, ob sie mir denn kostenlos ein paar Internetseiten-Designentwürfe vorlegen würden, und ich mich dann VIELLEICHT für einen davon entscheiden würde, erfolgte keine Antwort.
 
eckigebilder - 22.06.20 14:24
Solche Anzeigen sind echt unverschämt... Echt krass, dass es so etwas immer wieder gibt... :/
 
Danny - 22.06.20 10:46
Der neuste Trend ist anscheind: "Ich schreibe mal schnell ein Kinderbuch und lasse mir das für ein Appel und ein Ein illustruieren!"

Bullshit-Anzeige

Das ist nicht die einzige Anzeige dieser Art, über die ich gestolpert bin. Die meisten davon natürlich ohne Namensnennung oder gar Mitautorenschaft, und schon garnicht mit Tantiemen.
 
WizardofOs - 10.05.20 10:29
Deshalb hab ich auch herzlich drüber gelacht und den Auftrag abgelehnt. Vor allem auch, weil der Kunde nach meiner Belehrung immer noch das Urheberrecht haben wollte. Und der Typ sagte mir er hätte eine "Rechtsabteilung". Die hat von Urheberrechten so wenig Ahnung wie Trump von Politik.
 
aurelcartoons - 09.05.20 13:22
Das Kunden das Urheberrecht an sie abgetreten haben wollen kommt immer wieder vor. Dass dieses in Deutschland ein Persönlichkeitsrecht ist und immer an die Person des Urhebers gebunden ist, ist bei vielen nicht angekommen. Man kann das Urheberrecht nicht abtreten, man kann es nicht verschenken und nicht verkaufen. Man kann nur Nutzungsrechte einräumen.
 
Pauer (toonsUp Team) - 27.04.20 17:35
Das Urheberrecht abtreten geht doch gar nicht, oder? Komischer Kunde. Es gibt wirklich dreiste Ansagen.
 
WizardofOs - 26.04.20 21:58
Ich hatte mal eine Anfrage für einen Skatershop. Einen Vertrag sollte es geben. Ich habe mir aus dem Ratgeber der ICOM einen vernünftigen Vertrag zusammengeschrieben über drei Seiten. Nutzungsrechte, Beteiligung an Merchartikeln etc.. Dann kam die Antwort, dass der Kunde den Vertrag von seiner "Rechtsabteilung" hat prüfen lassen und dieser nicht gültig wäre. Hab mich zwar gewundert aber dem Kunden die Möglichkeit gegeben mir auch einen aufzusetzen. Daraufhin kam ein ziemlich mies gesetzter Einseiter mit großer Überschrift "Abtretung des Urheberrechts"..... Konnte mich dann vor Lachen kaum noch einkriegen, hab dann aber zurück geschrieben, dass das nicht geht und er das bitte ändern möchte. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern was dann kam, aber ich hab letztendlich den Auftrag abgelehnt.
 
blackwinged_neotu - 17.10.19 23:15
hatte wie gesagt viele fälle, einer davon eine anfrage, ein kinderbuch zu gestalten. da ich schon vorher aufträge umgesetzt hatte für diesen auftraggeber meinte er, ein vertrag wäre nicht nötig. ich zeichnete also monatelang munter um die 80 illustrationen, auch mit änderungsumsetzungen.
irgendwann fragte ich verständlicherweise danach wie das mit dem geld sei.
wir würden das dann am schluss klären hieß es. das schien mir seltsam, und das machte ich auch deutlich, also schlug ich auf seinen wunsch hin einen betrag vor im bezug auf die bisherigen stunden sowie änderungen. das war ihm dann zuviel. wir hätten uns doch auf insgesamt 500€ geeinigt gehabt für alles hieß es plötzlich.
ich meinte ich würde aussteigen, da das ganze für mich keine realistische perspektive in aussicht stellte.
er sagte ich müsse erst einmal das projekt fertigstellen und schickte mir nun komischerweise doch einen vertrag mit bedingungen, die für mich nicht anzunehmen waren.
daraufhin wurde mir mit einem anwalt gedroht.
ich setzte ebenfalls einen ein (die kosten dafür nenne ich hier mal nicht).
kurzum:
ich habe immens viel zeit, mühe, nerven und geld verloren für nix.
außer die erkenntnis und das wissen, dass man wirklich niemandem trauen kann und lieber gleich im vorfeld einen vertrag ausstellt; sich ggf sogar im voraus bezahlen lässt. zumindest einen teil.

aber ja... das hat so gesessen dass es das erstmal war mit aufträgen. die anderen fälle nenne ich hier nicht. frustrierend genug
 
Pauer (toonsUp Team) - 17.10.19 22:44
Sowas ist wirklich demotivierend. Ich wüsste keine gute Lösung dafür. Eventuell frage ich mal bei der Arbeiterkammer nach, ob man hier etwas erstreiten kann in solchen Fällen.

Immerhin wäre anhand solcher Anfragen, egal ob für instagram, Vorträge oder sonstiges, der Wille und die Intention der Verwendung bereits durch die Anfrage dokumentiert. Wenn dann auch noch eine Zustimmung folgt und auf die Forderungen dann nicht mehr reagiert wird, wäre das ja schon eine Sammlung von Beweisen.

Vielleicht müsste man im Falle eines Vortrags jemanden haben, der dort vor Ort die Verwendung dokumentiert. Bei Internetauftritten kann man die Verwendung ja durch Screenshot / Link nachweisen.

Aber zumindest ist es etwas beruhigend, wenn auch nicht minder ärgerlich, dass es anderen auch so geht.
 
Rob - 17.10.19 19:10
Hab auch dieses Jahr zwei Anfragen gehabt, die komplett im Sande verlaufen sind.

Bei der ersten Anfrage habe ich bescheidene 20 Euro für die Verwendung bei Instagram verlangt, keine Rückantwort. Bei der zweiten Anfrage ging es angeblich um eine Doktorarbeit und da hab ich natürlich null komma nix verlangt. Ergebnis: keine Rückmeldung. Nunja...
 
Danny - 17.10.19 18:47
Ärgerlich, sowas! Keine Frage! Ich würde aber davon Abstand nehmen den Namen öffentlich in's Internet zu stellen.

Aber deinen Ärger kann ich sehr gut verstehen. Acht Euronen waren ja wirklich ein Entgegenkommen.
 
Pauer (toonsUp Team) - 17.10.19 18:31
Ja, heute denke ich mir, es wären auch €40 angebracht gewesen. Zumal der Vortrag vor hunderten Leuten stattfand und die Zeichnung verwendet wurde, um einen konkreten Punkt in der Präsentation zu untermalen.

Vielleicht war die Hemmschwelle zu niedrig und man dachte sich "Für die paar Kröten zahlt sich keine Überweisung aus!", oder aber man ist der Meinung, dass das ohnehin "im Internet jeder sehen kann!" und daher "darf das nichts kosten".

Es ist jedenfalls schrecklich ärgerlich, wenn das nicht geschätzt wird. Ganz richtig, neotu, es ist eine Dienstleistung und es handelt sich um originelles Material (meistens zumindest). Das sollte einfach vergütet werden, wie wenn man beim Bäcker ein Brötchen kauft oder den Klempner ruft, um etwas zu reparieren. Es fand ja schließlich Verwendung im Vortrag.

Ich würde mich noch über andere Erlebnisberichte freuen und wie du / ihr damit umgegangen seid, wenn der Auftraggeber zu knausern begann oder erst gar nicht gezahlt hat.
 
blackwinged_neotu - 17.10.19 18:03
na super...
also 8€ sind ja wirklich geschenkt.
da hätt ich direkt noch was draufgehauen.
bist ihm absolut entgegengekommen und hast dich ja auch nicht unfleglich ausgedrückt.
unverschämtheit...

ich hatte mehrere fälle, aber nur daran zurückzudenken treibt mir fast die tränen in die augen aus trauer und wut.
das waren dermaßen harte rückschläge dass ich damals schwer depressiv wurde und aufhörte zu zeichnen.
leider geht es da vielen zeichnern so. es is für die gesellschaft eine selbstverständlichkeit geworden, dass kunst umsonst ist.
dass es eine dienstleistung und arbeit ist die teilweise stunden bis wochen in anspruch nimmt juckt da niemanden
 
Pauer (toonsUp Team) - 17.10.19 16:39
Liebe Leute,

ich möchte euch hier eine (zugegeben etwas kleinliche) Honorar-Geschichte offenlegen.
Es gibt ja bei toonsup die schöne Funktion "Künstler kontaktieren", wenn man die Rechte an einem Bild haben will. Vom Kontaktieren allein wird man auch nicht satt ...

Karl M*siol - Cartoonbeitrag zur Betriebsversammlung, Gewerkschaft IG Metall

Herr Karl M*siol ist bei der IG Metall. Er hat eine Zeichnung von mir gefunden, die zu seinem Vortrag passt und mich daraufhin angeschrieben.

_________________________

"Lieber Kuenstler,

herzlich gerne moechte ich Ihre Karikatur auf einer Betriebsversammlung einsetzen. Hintergrund: Die Gewerkschaft IG Metall befindet sich in Haus-Tarifverhandlungen bei einem Ingenieursdienstleister in Bayern. Die Arbeitgeberseite argumentiert, es koenne keine Tariferhoehungen geben, weil andere Dienstleister die Preise druecken. Dieses Standardargument moechte ich mit ihrer Karikatur entkraeften - dass eben Passgenauigkeit und Guete der Dienstleistung den Ausschlag geben muss bei der Vergabe und eben nicht rein der Preis. Denn es wird immer Dienstleister geben, die billiger anbieten.

Die Betriebsversammlung ist allerdings schon heute. Es waere schoen, wenn Sie mir moeglichst zeitnah die Konditionen nennen koennten.

Ich moechte die Karikatur in einer Powerpoint-Praesentation einbinden und sie dann nur einmalig vor etwa 400 Menschen zeigen.

Schoene Gruesse
Karl M*siol"

______________

Schön und gut! Ich fühlte mich gebauchpinselt. Aber als ich ihm ein Honorar von überaus bescheidenen 8€ und damit verbunden das Recht zur "einmaligen Verwendung der Zeichnung im Zuge des Vortrages" einberäumte, kam schlichtweg keine Antwort mehr von Herrn M*siol. Die Email hat ihn bestimmt erreicht, denn eine Antwort auf das Angebot von mir blieb nicht aus:

"vielen Dank für die sehr schnelle Antwort!
Es wird nichts digital verschickt oder ausgedruckt - nur gezeigt. Die Nutzungsgebühr von 8 Euro ist sehr gut. (...)"


Nun habe ich eine Woche darauf eine Erinnerung geschrieben, auf die keine Antwort folgte. Zwei Monate darauf kam immer noch nichts, obwohl ich damit drohte einen Anwalt zu konsultieren.

Was soll man in dieser Situation machen? Wie kann man es vorallem besser machen?
An das Gute in den Menschen zu glauben, reicht wohl nicht. Auch daran, dass der werte Herr M*siol, der sicherlich öfters derlei Vorträge organisiert, mit Sicherheit ein Budget hat, das sich mit €8 nicht sofort erschöpft!



Hat jemand von euch ähnliche Erfahrung(en) gemacht?
 
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